Pleite in Tschernitz überschattet grüne Pläne; was
jetzt?
Für Klimaschutz-Industrie empfiehlt sich die Lausitz als Top-Standort in Europa. Im ersten Net Zero Valley in Deutschland und auf dem alten
Kontinent. In der Sonderwirtschaftszone für Schlüsseltechnologien der Energiewende werden Investitionen in neue Betriebsstätten, die keine
weiteren Treibhausgase in die Atmosphäre ausstoßen, und Produkte dafür in allen Planungs- und Genehmigungsverfahren auf die Überholspur
geschoben. Zunächst auf elf ausgewiesenen Industrie- und Gewerbestandorten in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz sowie im
grenzübergreifenden Industriepark Schwarze Pumpe.
Markus Niggemann, Wirtschaftsdezernent der Stadt Cottbus und Treiber des Net Zero Valley Lausitz, formuliert als ehrgeiziges Ziel: Länger als ein
halbes Jahr soll kein Investor warten müssen. Die Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos), Sprecherin der Lausitzrunde, fiebert
dem ersten Bewerber entgegen, um „das jetzt schnell unter Beweis stellen zu können" und einen neuen grünen Antrieb für die Wirtschaft und den
Job-Motor zu schaffen.
Billigkonkurrenz aus Asien Das Net Zero Valley Lausitz ist allerdings direkt nach einem herben Rückschlag auf dem Feld für Produkte grüner
Technologien an den Start gegangen. Mit der Glasmanufaktur Brandenburg (GMB) in Tschernitz bei Spremberg ist der letzte große
Solarglashersteller in Europa insolvent und laut Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) „nicht mehr zu retten". Er sagt: Neben dem
Bürokratieabbau für einen neuen Investitionsturbo brauchten die Lausitz, Deutschland und Europa „auch Schutz für innovative klimafreundliche
Technologien, damit wir es auch hinbekommen, bestehende gute Jobs zu erhalten".
Der Lausitzer Hersteller von High-Performance Solar Glass (deutsch: Hochleistungs-Solarglas) steht für hochwertiges Solar- und Spezialglas, das die
GMB in Großserien für die FotovoltaikIndustrie hergestellt hat. Die Produkte und maßgeschneiderten PV-Lösungen sind bekannt für hervorragende
Qualität und niedrige Reklamationsraten. Die Präzision, um die Effizienz von Solaranlagen zu maximieren, ist bewiesen. Trotzdem hat die
Billigkonkurrenz aus Asien den deutschen Hersteller am Markt jetzt ausgeknipst, trotz der Mehrheitsbeteiligung des größten und innovativen
Herstellers von Solarglas in Indien, Borosil Renewablews Limited, an der Interfloat-Gruppe, zu der die Glasmanufaktur Brandenburg gehört.
Das große Problem: die Energiekosten. Der industrielle Großverbraucher hat angesichts der hohen Strompreise nicht mehr rentabel arbeiten und der
Billigkonkurrenz vor allem aus China Strukturwandel Der Start des Net Zero Valley Lausitz für neue Schlüsseltechnologien der Energiewende fällt
mit der Insolvenz der letzten Solarglasfabrik Europas zusammen. Das nagt am Ruf der
Sonderwirtschaftszone. Von Kathleen Weser
trotz exzellenter Produkte nicht standhalten können.
Der Industriestrompreis, der ab dem l. Januar 2026 in Krafttritt, um besonders energieintensive Unternehmen zu entlasten, kommt für die GMB zu
spät. Die Beihilfe ist von der Europäischen Union erst 2025 genehmigt worden und zunächst bis 2028 befristet. Gefördert werden darf den EU-
Vorgaben
zufolge höchstens die Hälfte des Jahresverbrauchs von energieintensiven
Unternehmen.
Unter die
Arme gegriffen wird nur Branchen, die energieintensiv produzieren und stark im
internationalen Wettbewerb stehen. Denn daran wird ein erhöhtes Risiko für
Produktionsverlagerungen aus Deutschland und Europa in Länder mit geringeren
Klimaschutzauflagen gesehen. Auf der EU-Sektorliste stehen deshalb vor allem die
Chemie-,
Metall-,Glas-, Papier-, Keramik- und Zementindustrie. Handwerk und kleinere
verarbeitende Betriebe erfüllen die Kriterien in der Regel nicht.
Wirtschaftsminister Daniel Keller sagt: „Wir müssen die Vorteile für grünen Strom bei
der CO2 -
Bepreisung besser hinkriegen . Brandenburg und die Lausitz produzieren die meiste
Energie
aus Erneuerbaren. Das müsse sich hier endlich auch spürbar auszahlen.
Noch
trifft die CO,-Bepreisung auch grünen Strom, weil der nationale CO;-Preis auf den
Strommix angewendet wird - obwohl Ökostrom weniger y Kohlendioxid emittiert.
Bezahlen
müssen jedoch alle anteilig für die restlichen Emissionen, bis der Strommix im Jahr
2035
klimaneutral ist, wenn das bis dahin überhaupt erreicht wird. Der Preis für fossile
Energieträger, also Gas und Öl, steigt gegenwärtig und wirkt so indirekt preissteigernd beim Strom. Erst ab dem Jahr 2027 soll im europäischen
Emissionshandel (EU-ETS) der CO,-Preis erhöht werden, um den Anreiz für das Umsteigen auferneuerbare Energien zu verstärken.
Weitere Sonderzonen
Für das Net Zero Valley Lausitz ist das ein großer Nachteil im Werben um internationale Investoren. Das Tempo für Planungsund
Genehmigungsprozesse in den Verwaltungen vor Ort allein reicht nicht. Für mindestens zwei weitere deutsche Wirtschaftssonderzonen für grüne
Schlüsseltechnologien im Rheinischen Revier und in Schleswig-Holstein, die noch an den Start gehen wollen, gilt das allerdings auch.
Von der Solarglasindustrie in Brandenburg hat sich die große Politik in Potsdam verabschiedet. Wirtschaftsminister Daniel Keller hält die
Solarglasproduktion in Deutschland und Europa nach der gescheiterten Rettung der Glasmanufaktur Brandenburg in Tschernitz mit ,einem neuen