Ukraine-Krieg:
Russische Armee beginnt dreitägige Übung mit Atomwaffen
Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. Alle Entwicklungen im Land und in der europäischen Sicherheitslage findest
du hier im Ticker.
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Die Wurzeln des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine
Kurze Zusammenfassung der vergangenen Ereignisse:
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Seit dem 24. Februar 2022 führt die russische Armee einen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
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Die Ukraine hat im August 2024 eine Gegenoffensive in der russischen Grenzregion Kursk gestartet.
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Friedensverhandlungen kamen wieder zum Erliegen, und die russischen Angriffe haben deutlich zugenommen.
Chronologie:
Die aktuelle Phase des Konflikts begann 2014 mit dem Sturz der prorussischen Regierung in Kiew. Doch seine Anfänge liegen viel weiter zurück.
Darum gehts
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Spätestens seit dem 19. Jahrhundert gibt es in der Ukraine eine starke Nationalbewegung, die Russen und Ukrainer als
zwei separate Völker sieht.
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Russland hat aber immer wieder auf eine Einheit der Völker gepocht, so auch Präsident Wladimir Putin.
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Als Reaktion auf den Sturz der prorussischen Regierung in Kiew 2014 kommt es zum Aufstand in der Region Donbass.
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Putin will von der Nato Garantien, dass die Ukraine niemals Mitglied wird, was der Westen verweigert.
Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Regionen Luhansk und Donezk und den Angriffen auf andere Teile der Ukraine mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und
Raketen wurde am 24. Februar im Ukraine-Konflikt eine neue Eskalationsstufe erreicht. Wie es so weit kommen konnte, zeigt die Bildstrecke.
Die Wurzeln des Konfliks zwischen Russland und der Ukraine – Mittelalter: Ab dem
neunten Jahrhundert entstand mit der Kiewer Rus ein Grossreich, das sich von der
Ostsee bis zum Schwarzen Meer ersteckte und als Vorläuferstaat der heutigen
Staaten Russland, Ukraine und Belarus angesehen wird. Die Invasionen der
Mongolen im 13. Jahrhundert beschleunigten den Zerfall des Reichs in mehrere
Fürstentümer.
1654: Im 17. Jahrhundert wird die Ukraine zwischen Polen und Russland aufgeteilt.
Die Osthälfte stellt sich 1654 unter den Schutz des Moskauer Zaren.
18. Jahrhundert: Weitere Gebiete der Ukraine gehen ans russische Zarenreich. Das
Territorium wird in dieser Zeit auch als „Kleinrussland“ bezeichnet. Es findet eine
starke Russifizierung statt. Im westlichen Teil können sich unter der Herrschaft der
Habsburger Sprache und Kultur der Ukrainer frei entfalten.
1783: Die russische
Zarin Katharina die
Große läßt die Halbinsel
Krim im Schwarzen
Meer „von nun an und
für alle Zeiten“
annektieren.
19. Jahrhundert: In der Ukraine entsteht
eine Nationalbewegung, die Russen und
Ukrainer als zwei separate Völker sieht.
Der Ruf nach einer Unabhängikeit von
Russland wird laut. (Im Bild Mychajlo
Hiruschewskyj, Aktivist in der
ukrainischen Nationalbewegung)
1917: Nach der Oktoberrevolution der kommunistischen Bolschewiki unter Leni wird
in Kiew die Ukrainische Volksrepublik als autonomer Staat innerhalb des
Sowjetrusslands ausgerufen.
Die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik wird offiziell Teil
der neu gegründeten Sowjetunion.
1930er-Jahre: Die sowjetische Unterdrückung des
ukrainischen Widerstandes gegen die Russifizierung
führte zu einer Hungersnot, der schätzungsweise drei bis
sieben Millionen Menschen zum Opfer fielen. Dieser
faktische Massenmord wird in der Ukraine heute als
Holodomor ( „Tötung durch Hunger“) bezeichnet. (Im
Bild: Die Opfer des Hungers auf einer Straße in
Charkiw, 1933)
Zweiter Weltkrieg: Die Ukraine
wird zwischen 1941 und 1944 vom
Deutschen Reich besetzt. In dieser
Zeit erstarkt die ukrainische
Unabhängigkeitsbewegung und
kämpft gegen die deutschen
Besatzer, die Sowjetherrschaft und
Polen, wobei ein Teil der
Nationalisten (ukrainische
Aufständischenarmee) auch mit den
Nazis zusammenarbeitete und
schwere Massaker an der
polnischen Bevölkerung verübte.
Nach Kriegsende lässt der
sowjetische Diktator Josef Stalin
rund 300’000 Ukrainer nach Sibirien
umsiedeln. (Im Bild: Ukrainische
Aufständische 1943)
1954: Zum 300. Jahrestag der Vereinigung von Russen und Ukrainern gliedert der aus
der Ukraine
stammende
Kremlchef
Nikita
Chruschtschow
die mehrheitlich
von Russen
bewohnte Krim
der damaligen
Ukrainischen
Sowjetrepublik
an.
1991: Im Zuge der
Auflösung der
Sowjetunion nach dem
gescheiterten
Augustputsch in Moskau
wird die Ukraine ein
unabhängiger Staat.
Gemeinsam mit
Russland und
Weißrussland gründet
sie die Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten,
die sie 2018 wieder
verläßt.
2013: 100.000tausende
Ukrainer potestieren im
Dezember in Kiew gegen
den prorussichen
Präsidenten Viktor
Janukowitsch, weil er
das
Partnerschaftsabkommen
mit der EU kippte. Der
Unabhängigkeitsplatz
(Maidan) wird zum
Symbol.
2014: Viktor Janukowitsch flieht im Februar nach Russland.
Moskau besetzt militärisch die ukrainische Halbinsel Krim und
gliedert sie im März als Landesteil ein.
2014: In der
ostukrainischen
Region Donbass rufen
im April die von
Moskau unterstützten
Separatisten die
«Volksrepublik
Donezk» sowie die
«Volksrepublik
Luhansk» aus. Die
Ukraine geht in der
Folge militärisch
gegen die Rebellen
vor. Bis heute kostete
der Konflikt rund
14’000 Menschen das
Leben.
2014: Über dem
Separatistengebi
et wird im Juli
ein
Passagierflieger
der Malaysia-
Airlines
mutmaßlich mit
einer russischen
Rakete
abgeschossen.
Alle 298
Menschen an
Bord sterben.
2015: Nach monatelangen
schweren Gefechten vereinbaren
die Konfliktparteien im Februar
mit dem Minsker Abkommen einen
Waffenstillstand. Der Vertrag sieht
Donezk und Luhansk als Teile der
Ukraine vor, aber mit
weitreichender Autonomie von
Kiew. Die Kämpfe nehmen
daraufhin deutlich ab, dennoch
kommt es immer wieder zu
Verstößen gegen die Vereinbarung.
Der damalige ukrainische
Präsident Petro Poroschenko.
2017: Die prorussischen
Separatisten in Luhansk
und Donezk rufen im
Juli einseitig den Staat
„Kleinrussland“ auf. Im
September tritt das
Assoziierungsabkomme
n der Ukraine mit der
EU in Kraft. (Im Bild:
Parade der
prorussischen
Separatisten zum Tag
des Sieges 2017 in
Donezk.)
2019: Im Juni werden – einen
Tag nach der offiziellen
Verkündung des Wahlsieges
von Präsident Wolodimir
Selenski – erste russische
Pässe an Ukrainer in den von
Separatisten kontrollierten
Teilen der Donbass-Region
ausgegeben. Kiew sieht darin
einen Verstoss gegen das
Minsker Abkommen.
2021: Moskau zieht im April Truppen im Grenzgebiet zur Ostukraine
zusammen und droht mit einem militärischen Eingreifen. Die Militärdoktrin
Russlands läßt eine Intervention zum Schutz seiner Staatsbürger im Ausland
zu.
2021: Putin schreibt im Juli in einem
Aufsatz, Russen und Ukrainer seien ein
Volk. Das wird als Anspruch auf das
Nachbarland gelesen.
2021: Das
milliardenschw
ere russische
Pipelineprojekt
Nord Stream 2
wird im
September
fertiggestellt.
Im November
setzt
Deutschland
das Verfahren
zur Freigabe
vorläufig aus.
2021: Im November
konzentrieren sich
erneut ungewöhnlich
grosse
Truppenkontingente und
moderne Waffen im
russischen Grenzgebiet
zur Ukraine. Der Westen
spricht später von bis zu
150’000 Soldaten.
Russland will von der
Nato die vertragliche
Zusicherung, dass die
Ukraine niemals
Mitglied wird.
2021: Putin
fordert im
Dezember, dass
die Nato ihre
Streitkräfte auf
den Stand von
1997
zurückziehen soll,
als noch kein
Staat des
ehemaligen
Warschauer
Paktes der
westlichen
Allianz
beigetreten war.
2022:
Diplomatische
Versuche auf
verschiedenen
Ebenen bringen im
Januar und
Februar keine
Lösung. Die Nato-
Verteidigungsminister billigen Vorbereitungen für eine Entsendung weiterer Kampftruppen
ins östliche Bündnisgebiet.
21. Februar 2022:
Putin erkennt die
selbst ernannten
Volksrepubliken
Luhansk und
Donezk als
unabhängige
Staaten an.
Russische
Soldaten sollen in
die
ostukrainischen
Separatistengebie
te entsandt
werden.
22. Februar
2022: USA und
EU sowie
Verbündete
verhängen
Strafmaßnahmen gegen Russland. So legt Berlin die Ostsee-Gas-Pipeline Nord Stream 2
für unbestimmte Zeit auf Eis.
24. Februar 2022: Der russische Präsident Wladimir Putin ordnet am frühen Morgen
eine Militäroperation in den Regionen Luhansk und Donezk an. Auch in anderen
Teilen der Ukraine wird die militärische Infrastruktur mit Kampfflugzeugen,
Hubschraubern und Raketen angegriffen.
24. Februar
2022: Die
Nato
aktiviert
Verteidigungspläne für Osteuropa. Im Notfall kann somit die NATO Response Force mit bis zu
40.000 Soldaten eingesetzt werden, um Alliierte zu schützen. Eine Entsendung von Nato-Truppen
in die Ukraine wird jedoch ausgeschlossen.