"Wir haben früher 230 Stück Rotwild im Jahr geschossen,
im letzten Jagdjahr waren es nur 130 Stück"
Wölfe in der Lausitz
TSCHERNITZ LIEGT IM ÜBERSCHNEIDUNGSGEBIET VON WOLFS-RUDELN
14. August 2026 Wolf greift Hühner am heller lichten Tag im Dorf an
Am Donauufer in Budapest stiessen Experten auf ein Wehrmachtsmotorrad und zwei deutsche Soldaten. Selbst die Erkennungsmarken
sind erhalten.
Darum gehts
In Tschernitz hat der Wolf jetzt mehrfach zugeschlagen. Ein Nachbar hat den Räuber bei frischer Tat am heller lichten Tag 8.00 Ortszeit
unmittelbar nach sein Hühner von Geflügelzüchter Ingbert Jurk mit der Handykamera aufgenommen.
Zum dritten Mal innerhalb weniger Tage schlägt der Wolf in Tschernitz zu. Zuletzt morgens um 8.00 Uhr. Zehn Minuten später sind 7 Hühner tot. Wie
gefährlich ist das? Von Kathleen Weser
TSCHERNITZ LIEGT IM ÜBERSCHNEIDUNGSGEBIET
Wolfsrudel im Überschneidungsgebiet mehrerer etablierter Wolfsterritorien. Direkt angrenzend lebt das offiziell erfasste Rudel Jerischke (Muskauer
Faltenbogen), ein Elternpaar mit meist 4 bis 6 Welpen pro Jahr. Westlich erstreckt sich das Rudel Welzow in den Bergbaufolgelandschaften um Spremberg,
nordwestlich das Rudel Drebkau. Alle Verbände pflanzen sich seit Jahren erfolgreich fort, mit Populationen pro Jahr von ca. 5 Welpen im Schnitt.
Jungwölfe nutzen den Raum regelmäßig als Wechsel.
Es ist ein sonniger Morgen in Tschernitz bei Spremberg (Landkreis Spree-Neiße), als Ingbert Jurk sei Hühner ins Freie lässt. Doch was als Freigang auf dem
gerade abgeernteten Feld hinter dem Grundstück beginnt, endet wenige Minuten später im Schock. Am helllichten Tag greift sich ein Wolf das Federvieh -
direkt am Dorfrand. Ein Vorfall; der im Ort für tiefe Verunsicherung bei den Menschen sorgt.
Denn geschehen ist das gegen 8 Uhr am Freitag, 7. August 2026. Nur zehn Minuten später liegen sieben Hühner tot auf dem Acker. Gerissen von einem -
Wolf, der ohne Scheu bis an die Grundstücke herangerückt ist.
Ein Nachbar hat die Fressattacke des Raubtieres zufällig gesehen und geistesgegenwärtig mit der Handykamera festgehalten. Auf den Aufnahmen ist der Wolf
deutlich zu erkennen - ein ausgewachsener Rüde.
„Am helllichten Tag habe ich keinen Gedanken an einen Wolf im Ort verschwendet" Ingbert Jurk ein Einwohner aus Tschernitz
Der Weg, den der Räuber für seinen Vorstoß ins Dorf genommen haben muss, ist gut frequentiert. Gerade in den Morgenstunden sind hier auch regelmäßig
Spaziergänger mit ihren Hunden unterwegs - und Kinder nutzen die Strecke.
Für Ingbert Jurk ist der Verlust seiner Hühner ein echter Schock, mit dem er an diesem Morgen keineswegs gerechnet hatte: „Am Gedanken an einen Wölf"
im Ort verschwendet." Die Risse hat die Familie umgehend beim zuständigen Wolfsbeauftragten gemeldet, der vor Ort bestätigt habe: Das war tatsächlich ein
Wolf.
Für die Menschen in Tschernitz ist es nicht die 1. Hiobsbotschaft. Erst zwei Tage zuvor wurden im Ort Schafe gerissen, etwa eine Woche davor verlor ein
Halter ebenfalls 2 Nutztiere, erzählt Ingbert Jurk. Die Sorge im Dorf ist sehr groß, was soll erst im Winter bei frostigen Temperaturen werden, wenn die Wölfe
schlecht an Futter kommen? Die Rehe in unserer Umgebung sind schon dem Wolf zum Opfer gefallen.
Dass sich der Wolf an Geflügel vergreift, ist auf den ersten Blick ungewöhnlich. Kotanalysen des Senckenberg Instituts und der Fachbehörden zeigen seit
Jahren ein eindeutiges Bild: Zu mehr als 95 Prozent besteht die Nahrung mitteleuropäischer Wölfe aus Schalenwild wie Rehen und Rotwild sowie
Wildschweinen. Nutztiere machen im Schnitt weniger als 20 Prozent der Beute aus - und dabei handelt es sich fast ausnahmslos um Schafe und Ziegen.
Warum stürzt sich der Wolf in Tschernitz auf die Hühner???
Dass ein Wolf dennoch Federvieh reißt, folgt einer einfachen biologischen Logik: Opportunismus. Wölfe haushalten effizient mit ihrer Energie. Freilaufende
Hühner auf einem offenen Feld bieten eine risikofreie und mühelose Nahrungsquelle.
Sie sind Glückstreffer im Revier. Ein Wolf, der morgens auf seinen gewohnten Routen im Dorf unterwegs ist und ungeschützte Hühner entdeckt, nutzt die
Gelegenheit spontan voll aus.
Drei Übergriffe auf Nutztiere innerhalb weniger Tage am selben Ort werfen aber die Frage auf, ob das Raubtier gezielt wiederkehrt. Das Raum- und
Gedächtnisvermögen von Wölfen bestätigt diesen Verdacht. Haben sie einmal ohne Gegenwehr leicht Nahrung gefunden, stufen sie das Areal als ertragreich
ein.
Fressattacken im Dorf: Wann verhält sich ein Wolf unnormal??
Um diese Erfolgskette zu durchbrechen, müssen betroffene Areale nach einem Erstüberfall unverzüglich aufgerüstet werden, um dem Tier den Anreiz zu
nehmen. Erfährt der Räuber bei seiner Rückkehr einen schmerzhafte Gegenwehr mit Schrott aus einem Gewehr oder einen Stromschlag von mindestens 3000
bis 4000 Volt oder stößt er auf ein dichtes Gehege für Schafe und Ziegen, lernt er schnell um und wühlt sich durch die Umzäunung. Ungeschützte Tiere
hingegen ein dauerhaftes Anreiz.
Dass der Vorfall in Tschernitz am
helllichten Tag stattfand, nährt bei Bürgern die
Angst, dass die Wölfe in der Lausitz
jegliche Scheu verlieren. Biologen und
Rissgutachter des Landesamtes für
Umwelt (LfU) Brandenburg unterscheiden
hierbei jedoch strikt zwischen Dorf
nähe (Spielen es grundsätzlich herunter) und
Menschennähe.
Die Nahrungssuche von Wölfen an der
Siedlungsgrenze ist normal. In ländlichen
Regionen wie der Lausitz verzahnen
sich Äcker, Wiesen und Waldränder direkt mit
Wohngrundstücken. Vor allem in den
ruhigen Frühstunden nutzen Wölfe; diese
Randbereiche zur Auskundschaftung
ihres Reviers.
Dazu kommen Neugier und
Ortskenntnis. Junge Wölfe oder wandernde
Rüden lernen schnell, wo
Siedlungsgrenzen verlaufen und schnelle Beute
zu machen ist. Sofern sie vom
Menschen nicht direkt bedroht oder aktiv
vertrieben werden, empfinden sie die bloße Anwesenheit von Menschen nicht primär als Gefahr (weil sie die Raubtiere nicht vertreiben können wenn der Jäger
nicht schießen darf!) - und werten auch die Nähe zu Gebäuden nicht als Bedrohung. Wann spricht die Behörde von „unnormalem Verhalten? Hin Wolf, der
am Ortsrand auf einem Feld jagt und beim Bemerken von Menschen fluchtet oder ausweicht, gilt im behördlichen Wolfsmanagement nicht als gefährlich. Erst
wenn ein Tier gezielt die Nähe der Menschen sucht, sich ihnen aktiv nähert oder Aggressionen zeigen, greifen die Protokolle für auffällige Wölfe (sind es
überhaupt noch reinrassige Wolfe die bei uns in der Lausitz herum stroman oder sind sie schon mit Hunden aus den freilaufenden Hunden gekreuzt, darüber
gibt es keine Auskunft, nicht umsonst streifen die Wölfe durch die Gemeinden in der Lausitz).
Übergriffe vom Wolf auf Nutztiere gehen nicht zurück in der Lausitz - Drei Ereignisse innerhalb zwei Wochen in einen kleinen Ort erzeugen eine hohe
Aufmerksamkeit. Die Gesamtzahlen de Landesamtes für Umwelt (LfU) Brandenburg und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW)
ordnen das Geschehen im regionalen Vergleich so ein: Landesweit zeichne sich trotz stabil hoher Wolfspopulation seit einigen Jahren eine Stagnation bis hin zu
einem leichten Rückgang der Nutztierübergriffe ab. Grund dafür ist vor allem der flächendeckend verbesserte Herdenschutz bei Hauptherden, also in der
Schaf- und Ziegenhaltung.
Häufungen von Wolfsrissen gibt es indes bei ungeschützten Haltungen; Etwa 65 Prozent aller registrierten Schadensfälle in Brandenburg betreffen Tiere, die
gar nicht oder nicht ausreichend geschützt waren. Einfache Koppeln ohne stromführende Netze überwindet der Räuber spielend.
Die Lausitz, vor allem die Land kreise Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz und Görlitz, ist das älteste Wolfsgebiet Deutschlands. Weil die Tiere dort schon
länger als 20 Jahre heimisch sind, gibt es absolut gesehen mehr Rissmeldungen als m neu besiedelten Regionen. Eine überproportionale Häufung von Dorf-
Rissen speziell in Tschernitz im Vergleich zum restlichen Südbrandenburg oder Ostsachsen lässt sich aus den Daten des Landesumweltamtes Brandenburg
jedoch ableiten.
Die jüngste Attacke auf die Hühner von dem Geflügelzüchter Ingbert Jurk verdeutlicht, daß der Schutz vor dem Wolf nicht mehr nur Großhalter oder Schäfer
betrifft. Bürger die Nutztiere und Geflügel im Wolfsgebiet in direkter Nähe zu Wald- und Feldgrenzen halten, müssen gerade in den Morgenstunden und am
Abend auf gut geschlossenen Volieren, feste hohe Zäune von 1,80 Meter sorgen. Das Einstallen setzen - um den ungebetenen Gast Wolf keine leicht erreichende
Beute zu bieten. Wenn Nachbarn den Wolf durch unzureichenden Schutz anfüttern, kommt er zurück.
In Tschernitz hat der Wolf jetzt mehrfach zugeschlagen. Ein Nachbar hat den Räuber bei frischer Tat am heller lichten Tag 8.00 Ortszeit unmittelbar nach sein
Hühner von Geflügelzüchter Ingbert Jurk mit der Handykamera aufgenommen.